frühmorgens am waldrand
gedankenverloren stapfen wir „unseren“ morgenberg hinauf, die ida und ich. auf den wiesen darf sie ohne leine springen, der blick ist weit und ich sehe das wild bevor es der hund in die nase bekommt.
meistens jedenfalls. an diesem morgen, die ersten strahlen der sonne haben schon den horizont überschritten und felder ,wiesen und wald mit rosagoldenem licht überzogen, an diesem morgen bin ich nicht die einzige, die träumt. lautlos springt mit lustigen sätzen ein reh auf mich zu. es sieht mich nicht, übermütig und leichtfüßig streift es an mir vorbei, ich könnte es fast greifen.
zum glück reagiert der hund auf mein leises kommando :“ hierher ida“ und ich kann sie mit wenigen ruhigen handgriffen anleinen. obwohl wir uns sehr langsam und sehr leise bewegt haben merkt das reh, dass hier irgendwas nicht stimmt und steht jetzt genauso reglos und wohl auch atemlos wie wir.
aber es wird noch besser. vom wald her trabt fröhlich und unbeschwert mit leichten schritten ein rehbock auf dem weg entlang genau auf ida und mich zu. wir rühren uns nicht, er kommt immer näher. so von nahe betrachtet ist so ein rehbock ganz schön groß. und die hörner sehen ganz schön spitz aus. mir wird direkt unheimlich, da bemerkt er , dass seine gefährtin zur salzsäule erstarrt ist, bleibt stehen, schaut sich um und fixiert uns nun genauso reglos wie wir ihn. was die beiden doch noch für ein dickes fell haben. eher grau als braun, noch der winterpelz. und diese tiefgründigen großglänzenden augen, die knuffelige schwarze nase… ich geniesse jede sekunde dieses zauberhaften augenblicks.
es nähert sich nummer drei vom walde her, ohne hörner, aber wohl mit etwas verstand. sie bleibt auf sicherheitsabstand. ohne uns aus den augen zu lassen ziehen sich die drei langsam in richtung wald zurück, ida und ich bewegen uns ebenso langsam und ohne den blick zu wenden bergab, bis das trio hinter einem erdhügel verschwunden ist.
wie schön, dass sie nicht in wilder flucht davongesprungen sind, sie wirkten eher erstaunt als erschreckt.
ich denke, mein herz hat am lautesten geklopft !
das morgenreh
heute früh war die luft noch sehr frisch, direkt kühl aber voller duft nach frisch gemähtem gras mit einer kleinen ahnung von heu. es ist unglaublich , welche vielfalt von grün es gibt, bäume, sträucher, gräser kräuter, getreide, jeder halm scheint seinen eigenen farbton zu haben, von dunkel, fast schwarz des waldes bis hin zum blassblaugrün im weizen. wie gerufen übt familie grünspecht mit dem sprößling das fliegen. die eltern sind schon schimpfend in richtung obstbäume davongeflogen, in ihrem seltsam plumpen rhythmischen flug, der kleine schmale spechtteenie sitzt noch auf dem boden mit seinem frechen roten deckel auf dem kopf und läßt uns ganz schön nahe heran. dann, mit einem satz, hängt er am weidepfosten und von dort folgt er hastig und ebenso schwerfällig seinen eltern.
eigentlich bin ich ein bisschen traurig. gestern abend hörte ich einen schuß, als ich schon im bett lag. so nahe, das kann nur hier gewesen sein. mein morgenreh … eine ideale zielscheibe für einen jäger… ich suche die ränder der felder ab nach spuren des nächtlichen dramas. da taucht ein gesicht auf aus dem weizen, wie beim kasperletheater. große augen, noch größere ohren .. mein morgenreh…völlig unversehrt.
jetzt scheint der himmel noch blauer und der gesang der goldammer noch schöner… http://flickr.com/photos/wutzi/2627737593/
fussball
interessiert mich eigentlich überhaupt nicht. aber informiert bin ich trotzdem. wenn an bis dahin herrlich ruhigen lauen sommerabenden , die strassen wegen live-übertragung leergefegt, auf einmal lauter jubel , tröten und klatschen an das erschreckte ohr dringt , dann weiss ich : tor für deutschland !
lautes stöhnen hat seine ursache in diesem fall nicht im schlafzimmer der nachbarn, sondern klingt aus kollektiv gequälten seelen bei gegentor, foul oder dummen aktionen der eigenen mannschaft.
ich weiss also ziemlich gut bescheid, nur das fenster muss ich auflassen. und so entgeht mir auch nicht der einzug der deutschen mannschaft ins finale.
lautes hupen, jubeln und eher unmelodische gesänge … ein auto – korso !! in unserem dorf !!!
immerhin zwei kleinwagen, aus denen riesengummihände winken, gefolgt von einem moped, dahinter noch ein auto und ein strampelnder radler, der verzweifelt versucht mit den motorisierten jublern schritt zu halten. herrlich ! so macht selbst mir fussball spass !
frühling liegt in der luft !
oder besser : frühling fliegt in der luft …
die vogelwelt hat längst den lenz gewittert. gut 4 wochen nachdem die letzten kranichnachzügler sich vor dem winter in den süden geflüchtet haben, kommen die ersten schon wieder zurück, in langen ketten, laut rufend und dank „emma“ mit jeder menge rückenwind.
die tage beginnen wieder mit dem morgenlied der amsel, auch das kleine rotkehlchen mit der großen stimme schmettert fröhlich aus seinem versteck im gebüsch.
darüber schwebt majestätisch der rotmilan, gerade frisch von südwesten eingereist zieht er lautlos seine kreise. alles andere als lautlos trällern die kleinen senkrechtstarter, vom boden geradewegs in den himmel steigen die lerchen , und überbieten sich gegenseitig mit ihrem übermütigen getobe.
so kehren sie langsam wieder , einer nach dem anderen, einzeln und in schwärmen .
willkommen daheim…
dimensionen
am frühen morgen, fast ist es noch nacht und die welt ist in schwarzblauen samt gehüllt, erscheint alles wie mit feiner schere filigran ausgeschnitten.
zweidimensional.
wir gehen vorbei an scherenschnittbäumen und -sträuchern, an scherenschnittzäunen entlang und beobachten scherenschnittvögel zwischen den scherenschnittzweigen.
nur wenige geräusche sind zu hören, im dorf kräht ein hahn, in weiter ferne läuten die glocken. selbst die töne scheinen zweidimensional zu sein.
erst als sich die ersten strahlen über den horizont tasten kehren die farben in die welt zurück, golden , dann blau und rosa am himmel, sattes braun und grün für wald und wiesen . mit den farben kehren auch die formen zurück bäume zäune und gräser bekommen ihre gewohnten konturen.
und der geschäftige lärm des alltags erwacht und erfüllt jeden leisen winkel mit tönen.
dreidimensional .
die wilde else
den rücken fest an die schwarze felswand gepresst, unsichere füße auf nassem , moosbewachsenen basalt, mir stockt der atem , nicht nur vom steilen aufstieg , der wind saust erbarmungslos , raubt mir die luft.
nur keine angst !
am himmel toben graue wolkengeister und tief unten ächzen die fichten im wind. steil ist es . und kalt.
nur keine angst !
eine ahnung erst , ich kann sie spüren, mit kalten händen greift sie nach den frevlern, die ihr haus betreten , und schon ist sie sichtbar, in weissen fetzen fegt sie durch die baumwipfel und lässt sie zittern, der fels scheint zu schwanken !
nur keine angst! die else holt nur die ängstlichen …
ich hole tief luft, breite die arme aus und löse mich von der schützenden wand.
ein lachen, ein sausen, es rüttelt und zerrt an meiner kleidung
die mutige ist willkommen .
dann tanzt sie davon , um den berg herum , wild und unbeherrscht, lachend und …
liebend
novembermorgen
der weiche mantel aus novemberwetter, aus traurigkeit und melancholie, riecht nach regen und nach holzfeuer. mondschein und sternenglanz, frischer wind und frühlingslachen sind ausgesperrt, verschwunden und vergessen. das krähen des hahnes bleibt im weichen nebel stehen wie ein geschriebenes wort, die schritte knirschen auf dem weg und locken schatten aus der endlosen warmen schwärze.
keine angst, die einsame dunkelheit nimmt dich tröstend in den arm …
leben
gerade als ich heute aus dem deprimierenden zimmer eines schwerkranken patienten herauskam, auf dem krankenhausflur erstmal luft geholt und zum fenster hinaus in den grauen novembertag geschaut habe, blieb mein blick an der herrlichen alten buche im park hängen.
nur noch wenige blätter hängen in den zweigen, und der baum wirkt so stark und unerschütterlich . irgendwie ewig.
da sehe ich doch etwas kleines rotbraunbuschiges den stamm emsig hinauf- und hinunterflitzen … ein knuffiges eichhörnchen saust immer wieder an die kleinen äste und dann den stamm hinauf bis in die krone. weil die blätter fehlen, kann man deutlich das nest sehen, das von dem kleinen pelztierchen eifrig ausgebessert wird. es wirkt dabei ausgesprochen fröhlich und gutgelaunt und so herrlich lebendig.
was für ein kontrast.
hier ein elendes sterben, und dort das quirlige leben , voller pläne und hoffnung…
herbstgespenster
an hellen und klaren herbsttagen wie heute tanzen die herbstgespenster durch den wald.
man kann sie nicht sehen, aber du erkennst sie an den wirbelnden blättersäulen, die zwischen den bäumen aufsteigen und wieder verschwinden. du kannst sie hören , sie wispern in birken und pappeln, sie knarren in den fichten und rauschen durch die wipfel von buchen und eichen . auf dem waldboden lassen sie schatten und licht einander jagen . und wenn du ihnen zu nahe kommst, dann werfen sie mit eicheln nach dir, und greifen nach deinen haaren !
also nimm dich in acht !
gen süden…
heute flogen die ersten kraniche in richtung süden.
sie nutzen das schöne wetter und den rückenwind von osten her. und damit wir , die wir hier unten festsitzen, sie auch ordentlich beneiden können, rufen sie laut und spöttisch über unseren köpfen - abheben und mitfliegen, das wär jetzt was !


