hasenjagd
der wald liegt hinter uns, im freien feld scheint kein wild unterwegs zu sein…
also ab mit dem zappeligen hund von der leine ! ein entspannter spaziergang durch frisch eingesäte felder durch blühenden raps unter strahlendblauem himmel. der blick schweift entspannt in die ferne und nur ab und zu auf den etwas holperigen weg … was ist denn das ? zwei große augen schauen mich aus einer mulde zwischen den grasbüscheln an… ein hase ! wäre er doch liegengeblieben ! aber nein, mit angelegten ohren saust er direkt vor meinen füssen in richtung hund ! ida hätte ihn wahrscheinlich garnicht bemerkt, aber jetzt gibt es kein halten ! alles pfeiffen und rufen nützt nichts, unser sonst so gehorsamer hund schiesst wie vom bogen abgeschossen hinter dem verlockend vor der nase auf und ab wippenden hasensterz her.
wie ich das hasse, in der natur , deren stille ich so liebe , laut rufen zu müssen. die wut im bauch wächst, aber was hilfts. jäger und gejagter verschwinden in einer kleinen staubwolke hinter dem nächsten hügel. hinterherlaufen ist sinnlos … bei dem tempo kann ich nicht mithalten. irgendwie ist es schon beeindruckend, ein rennen auf leben und tod. beide haben alles gegeben, einer voller angst, mein mitgefühl ist ihm sicher, und ein schwarzer blitz voller jagdfieber, ein energiebündel, endlich losgelassen, endlich rennen, was für ein spass. irgendwie kann ich sie ja verstehen, neben dem zorn macht sich ein kleiner neid bemerkbar, die muskeln zucken, wie gerne würde ich auch so über felder und wiesen sausen…
ein paar wackelnde ohren erscheinen wieder auf der bildfläche, das tempo für den rückweg ist erheblich gedrosselt. keine wunder , mit dem ballast eines schlechten gewissens läuft es sich eben nicht so leicht. aber zum glück für den hund haben wir die hundeerziehungsliteratur genügend studiert um zu wissen, dass man den wiederkehrenden hund nicht strafen soll. ist ja klar, sonst kommt er das nächste mal erst garnicht wieder.
die jagd war zum glück nicht erfolgreich, meister lampe hat sich sicher in ein dichtes gestrüpp retten können. ich tröste mich ein wenig mit der illusion, dass er es mit absicht getan hat. meinen dummen hund vorführen : schau ich bin schneller und ausserdem schlauer…
in dem fall hätte der gejagde den größten spaß an diesem abenteuer gehabt….
zeitenreise
stilvoll wäre natürlich die fahrt in einer kutsche gewesen. vierspännig und geschlossen, über holperige wege rumpelnd….aber das hätte wohl einige tage in anspruch genommen, und ich hatte ja nur wenige tage zeit.
also erreichte ich ganz neuzeitlich im flotten ice, bequem und schnell ,erster klasse dank spartarif, in knapp 5 stunden dresden, die wunderschöne stadt an der elbe.
unterwegs kam mir der gedanke, dass ich noch vor weniger als 20 jahren keine chance gehabt hätte diese reise zu unternehmen. die zeiten ändern sich . zum glück.
eines meiner wunschziele war die gemäldegalerie im zwinger. schon das gemäuer ist beeindruckend. im innenhof neben vielen touristen auch ein paar historisch gekleidete gestalten, die an august den starken erinnern wollen. ein schöner anblick
für ungeübte galeriebesucher wie mich sind eindeutig zu viele bilder ausgestellt, aber mein fürsorglicher gastgeber trifft eine auswahl. am besten gefallen mir die darstellungen dörflichen lebens . die strotzen nur so vor lebensfreude, man glaubt in die gemälde eintauchen und einige hundert jahre zurückreisen zu können.
der nächste tag führt uns hinaus in die natur. vom müglitztal aus steigen wir einen steilen berghang hinauf, geniessen einen schöneren ausblick nach dem anderen, bevor wir vor der mächtigen tausendjährige eibe stehen. ein ehrfurchtgebietender baum. auch hier scheint die zeit wieder rückwärts zu laufen . als otto der erste das heilige römische reich deutscher nation gründete war sie vielleicht schon ein junges pflänzchen. wieviele generationen , wieviele kaiser und könige, hungersnöte und kriege sind gekommen und gegangen… berührt man die furchige rinde spürt man den hauch der jahrhunderte und die eigenen kleinen sorgen und nöte kommen einem plötzlich nichtig und lächerlich vor.
aber es kommt noch besser…
ausflug ins kirnitzschtal.
wald wasser felsen.
man steigt hinab in ein tiefes finsteres tal , vorbei an riesigen felsbrocken. die kirnitzsch braust und gluckert ….und um die nächste ecke plötzlich sonnige weite, das flüsschen mäandert in ruhigen und gemächlichen bögen … kalt ist sie allemal, wie unsere füsse schmerzhaft zu spüren bekommen. die bäume zeigen schon langsam das erste zarte grün und an den sonnigen wiesenrändern werden wir von bunten schmetterlingen fröhlich umflattert. es riecht schon wie im sommer nach sand und nadelholz.
dann ein steiler aufstieg. im duster gewordenen wald wie dahingewürfelt große steinbrocken, mit grünem moos in allen schattierungen überwuchert. eine plötzliche stille krabbelt uns in die ohren, nur ab und zu unterbrochen vom ruf eines vogels. sonst hätten wir sicher geglaubt, wir wären auf einmal taub geworden :-D . eine ganz eigene stimmung, es würde uns nicht wundern, wenn hinter einem baum eine fee oder ein kobold auftauchen würde…
oben angekommen erklimmen wir die „brüdersteine“ . der ausblick ist grandios, der abgrund scheint unendlich. so weit das auge reicht wald und felsen. und wieder diese stille…
die zeit steht still, die felsen flüstern. von jahrmillionen , von eiszeiten und längst verschwundenen meeren, von vulkanausbrüchen und dem stetigen nagen des wassers am harten stein. reglos erscheint die welt , unverändert und doch immer wieder neu.
ein hauch von unendlichkeit
es gäbe noch so viel zu erzählen, von der geretteten blume, von den alten weiden unten am bach und dem ersten ruf des kuckucks, vom rosa-violett schimmernden edelstein, der mir zu füssen lag, von den arbeitern , die baumstämme aus dem fluss bargen, vom stilvollen fischessen auf der elbe , vom cafe arabusta, den herrlichen villen, vom schönen wetter ,den alten imposanten bauwerken …
es gab so viel zu sehen , zu spüren und zu erfahren, dass ich noch ganz angefüllt bin von allen eindrücken. sie reichen noch weit in meinen alltag hinein , immer noch ist der zauber spürbar.
vielen dank an meinen geduldigen und unermüdlichen gastgeber, die wenigen tage waren eine wunderbare reise durch die zeiten , die noch lange in mir nachklingen wird.
danke !
frühstück
einen besseren start in den tag kann man sich kaum vorstellen…
die sonne schickt ihre ersten rötlichen strahlen in die welt, alles ist still, nur die vögel rüsten sich für das grosse konzert…
es duftet nach kaffee und angebranntem toast, auf dem tisch ein duftendes gesteck in gelb rot und violett und natürlich ein brennendes lichtlein.
die richtige einstimmung für eine frühlingswanderung. es ist kalt draussen, kleine spatzen sitzen bibbernd und brummelig aufgeplustert in den ästen. im schatten des waldes sind die wiesen noch weiss, aber wo die ersten warmen sonnenstrahlen die erde treffen steigt weisser dampf auf, mal zart und weich, mal dicht und gespenstisch. in den wipfeln hüpft und singt es bunt und vielstimmig , das erste zarte grün färbt den waldboden und die spitzen der sträucher und zweige , darüber ein wunderbar blauer himmel.
es wird wärmer.
in der ferne ruft der fasan nach seinem harem, die kleinen munteren singvögel sind paarweise unterwegs
wie die weissen schleier , die sich über den frisch eingesäten feldern im warmen sonnenlicht auflösen , verschwinden sorgen und finstere gedanken. beschwingt und leicht wird der gang und im kopf spuken die liedzeilen „morning has broken…“.
zauberhafte momente , die wir aufsammeln und in jeder zelle speichern können, um uns im grauen alltag wieder daran zu erinnern…


