ein geschenkter morgen

Mai 18, 2007 at 8:24 (blabla, glück, natur, zauberhafte momente)

was für eine tolle überraschung, die chefin mag auf einmal ihren geplanten „brückentag“ nicht nehmen. also komme ich in den genuss eines ungeplanten freien tages.

und werde am frühen morgen vom vielstimmigen vogelchor geweckt, die sonne scheint von einem strahlendblauen himmel. nix wie raus in den wald!

die luft ist so kühl und frisch, dass sie bei jedem atemzug bis in die kleinste körperzelle zu dringen scheint. das laufen fällt leicht und der kopf wird klar.

die wiesen sind von tau bedeckt und die pusteblumen sehen aus als hätten sie ein weisses fell an :-) draussen im feld übertönen die lerchen alle anderen sänger, nur die goldammer klingt  ab und zu mit ihrem eindringlichen ruf durch. vom nachbardorf her läuten   kirchenglocken den morgen ein.

an den leuchtenden birkenstämmen vorbei sehe ich drei hasen auf dem feld umeinanderhoppeln, und auf dem weg vor mir, unter der alten eiche watscheln unbeholfen zwei rebhühnchen ! als wir näher kommen, fliegen sie genauso plump und schwerfällig ins feld, nicht ohne sich lautstark über die störung zu beschweren.

ich weiss nicht warum ausgerechnet mir als fleischverächter das bild von knusprigbraun gebratenen rebhühnchen vor dem inneren auge erscheint…. :D wahrscheinlich hab ich nicht genug gefrühstückt und die sehen irgenwie lecker aus …

oben auf dem berg angelangt der obligatorische blick zurück . sieht schön aus, wie das dörfchen so still daliegt, umrahmt von grünen büschen und bäumen. oben aus den hausdächern und baumkronen ragt von der sonne angestrahlt der kirchturm heraus.

aus dem buschwerk am wegrand ertönt wieder lautes schimpfen. ein maskierter neuntöter sitzt auf dem obersten ästchen. er sieht so klein und pummelig aus, ob er wohl noch  jung ist und seine ersten flugversuche macht ? er ist zum greifen nahe, ruft aufgeregt und traut sich aber nicht , loszufliegen.

am waldrand angekommen riecht es intensiv nach harz. noch immer lagern hier riesige stapel von fichtenstämmen, die der letzte große sturm umgeworfen hat. die wurzeln und äste wurden zu großen haufen zusammengeschoben, der anblick erinnert mich an die buhnen an der nordsee…

ein stückchen wiese , ein kleiner bach und es folgt der nächste waldrand. eiche buche und hainbuche stehen beieinander wie drei freundinnen. sie halten sich mit ihren ästen aneinander, und ganz sicher sind ihre wurzeln miteinander verwoben. drei prächtige bäume . zu ihren füßen blühen  waldmütterchen ,und  ich leiste ihnen eine kleine weile gesellschaft.

im wald hallen die vogelstimmen wie in einer großen kirche. die stimmen verschwimmen miteinander, es lassen sich kaum einzelne sänger heraushören. ein richtiger lärm :-) .

am rand der lichtung besuche ich „meinen“ baum. er (eigentlich ist es eine „sie“) ist umstanden von blühenden maiglöckchen und der kleinen zweiblättrigen einbeere.

während ich mich anlehne und den blick schweifen lasse, landet mit getöse ein dicklicher vogel auf dem nachbarbaum, schaut mich kurz an und flattert wieder davon. ein kuckuck ! wenig später höre ich ihn in einiger entfernung seinen namen rufen .

kaum ist er davon, springen drei rehe direkt vor meinem baum über die wiese. erstaunlich, dass diese grazilen geschlöpfe so ein getrampel veranstalten. wir haben sie erst gehört, bevor wir sie gesehen haben . es sind große, ausgewachsene tiere, aber sie spielen ! in großen sprüngen jagen sie hintereinander her, im kreis herum !

 ob ihnen die vögel verraten haben, dass sie beobachtet werden ? oder hat der wind unseren geruch in ihre richtung geweht ? sie bleiben plötzlich stehen, die großen ohren in unsere richtung gewendet. sie scheinen aber nicht sonderlich beunruhigt zu sein, alle drei frühstücken erstmal gemütlich in  der blumigen wiese. bis ohne vorwarnung zwei von ihnen wieder losspringen, übermütig hintereinander her  und im unterholz verschwinden. das dritte reh schaut etwas irritiert hinterher und entschliesst sich , den beiden langsam zu folgen. nicht ohne vorher noch einen dicken bissen in die wange gestopft zu haben…

soviele erlebnisse an einem einzigen morgen. ich fühle mich beschenkt…

auf dem heimweg sehe ich die drei hasen wieder. und die eiche scheint ihre zweige wie ein tor über dem weg aufzuhalten. mir kommt das kindergartenlied in den sinn : machet auf das tor … aber die alte eiche fängt mich nicht ein, obwohl ich eine weile unter ihrem dach verweile …

schade eigentlich :-) )

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